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Die Zukunft der Wasserversorgung

Die Nationale Wasserstrategie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)

Wasser ist ein kostbares Gut und eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Wasser ist die Voraussetzung für den Schutz von artenreicher Natur- und Landschaftsräume, einer funktionierenden Gesundheitsversorgung und sowohl für Flora und Fauna als auch für die Industrie, Landwirtschaft, den Tourismus und Städtebau von essenzieller Bedeutung.

Die Wasserversorgung als eine der wichtigsten Lebensgrundlagen aller Lebewesen auf unserem Planeten wird aktuell vor neue Herausforderungen gestellt. Seit 100 Jahren hat sich der Wasserbedarf stetig erhöht und steigt jedes Jahr weiterhin um knapp 1 Prozent an. Der weltweit steigende Wasserbedarf, klimabedingte Dürreereignisse auf der einen Seite und Hochwasserstände auf der anderen Seite, Verschmutzung von Grundwasser und Gewässern sowie der weiterhin mangelhafte Zugang zu sauberem Trinkwasser bei einem Drittel der Weltbevölkerung führen zu Nutzungskonkurrenzen und -konflikten und drohen in einer globalen Wasserkrise zu münden, sofern nicht akut und nachhaltig gehandelt wird.

Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 2016 deklarierte „UN-Wasserdekade“ vom 22. März 2018 bis zum 22. März 2028 soll Initiativen fördern, die diese Wasserkrise abwenden. Dabei ist der 22. März nicht zufällig gewählt: Der 22. März ist der jährliche offizielle Weltwassertag.

Der von der Europäischen Kommission am 12. Mai 2021 verabschiedete EU-Aktionsplan für Schadstofffreiheit von Luft, Wasser und Boden umfasst dabei konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft und sieht sich als „Pathway to a Healthy Planet for All“ (dt.: Weg zu einem gesunden Planeten für alle).

Abbildung: Klimabedingter Feldbrand © Adobe Stock

Abbildung: Klimabedingtes Hochwasser © Adobe Stock

Abbildung: Ressource Wasser © Adobe Stock

In Deutschland gibt die Klimaschutzstrategie das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 vor. Dabei nimmt sich das Bundesministerium für Umwelt dieser Herausforderung an und definiert dafür 10 strategische Zielsetzungen für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland. Diese sind:

  1. Bewusstsein für die Ressource Wasser stärken
  2. Wasserinfrastrukturen weiterentwickeln
  3. Wasser-, Energie- und Stoffkreisläufe verbinden
  4. Risiken durch Stoffeinträge begrenzen
  5. Den naturnahen Wasserhaushalt wiederherstellen und managen – Zielkonflikten vorbeugen
  6. Gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung im urbanen und ländlichen Raum realisieren
  7. Nachhaltige Gewässerbewirtschaftung weiterentwickeln
  8. Meeresgebiete (Nord- und Ostsee) intensiver vor stofflichen Einträgen vom Land schützen
  9. Leistungsfähige Verwaltungen stärken, Datenflüsse verbessern, Ordnungsrahmen optimieren und Finanzierung sichern
  10. Gemeinsam die globalen Wasserressourcen nachhaltig schützen

Mehr als 200 Akteure aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Forschung, aus Verbänden, Ländern und Kommunen erarbeiteten im Rahmen eines zweijährigen Nationalen Wasserdialogs einen Entwurf für eine „Nationale Wasserstrategie“. Am 8. Juni 2021 hat die Bundesumweltministerin Svenja Schulze diesen im Rahmen des 3. BMU-Wasserforums vorgelegt und am 1. Juli 2021 fand die internationale Wasserkonferenz des BMU in Bonn zum Austausch der UN-Mitgliedsstaaten zu gemeinsamen Nachhaltigkeitszielen statt.

Die Nationale Wasserstrategie

Die Nationale Wasserstrategie treibt den infrastrukturellen Ausbau voran und ist daher mit enormen Investitionen in die Wasserversorgungsstruktur verbunden. Insgesamt sollen rund eine Milliarde Euro über zehn Jahre vom Bund für die Länder und Kommunen in Deutschland bereitgestellt werden. Zudem werden Länder und Kommunen finanziell durch direkte Beteiligungen des Bundes sowie der Schaffung neuer Finanzinstrumente bei dem Auf- und Ausbau von modernen Ver- und Entsorgungsstrukturen unterstützt.

Im Rahmen der Nationalen Wasserstrategie wird beispielsweise die Wasserknappheit einiger deutschen Regionen thematisiert. Waldbrände, ausgetrocknete Felder und Äcker sind die Folgen regionaler Wasserknappheit. Eine „Wassernutzungshierarchie“ soll daher zukünftig die Wassernutzung bei Knappheit regulieren. Dabei legt die Wassernutzungshierarchie fest, welche Nutzer und Verwendungszwecke bei vorherrschender Wasserknappheit Vorrang haben. Regionale Anpassungen sind möglich. Regionale Unterschiede in der Wasserversorgung sollen zudem durch neue Transportsysteme wie Fernleitungen und Verbundnetze ausgeglichen werden. Der Bedarf an neuen Transportsystemen eröffnet dem Tiefbaumarkt neue Möglichkeiten und Marktchancen auf allen Ebenen.

Für einen nachhaltigen Wasserumgang werden derzeit für Privathaushalte in einem Pilotprojekt des BMU „smarte“ Lösungen entwickelt. Diese Lösungen sollen zukünftig folgende Aspekte stärker in den Mittelpunkt setzen: Wasserverbrauch, Leitungsdruck, Nutzungsspitzen und Tarifstrukturen. Die Schaffung von verbrauchsabhängigen Tarifstrukturen geht mit der Implementierung neuer Abrechnungssysteme einher und erschließt weiteres Marktpotenzial für unsere Branche.

Abbildung: Wasserknappheit © Adobe Stock

Abbildung: Wasserentsorgung und -aufbereitung © Adobe Stock

Auch die Entsorgung wird sich einem Wandel unterziehen, um die weitere Verschmutzung von Gewässern aufgrund von kommunalen und industriellen Abwässern zu verhindern. So wird in einem Pilotprojekt der Bundesregierung aktuell untersucht, wie ein bundesweites Monitoring zur Identifikation der Virenbelastung im Abwasser aussehen könnte. Neue Entwässerungs- und Kanalbausysteme sowie eine 4. Reinigungsstufe bei Kläranlagen sind im Gespräch. All dies könnte zukünftig zu einer Erweiterung des Tiefbau-Portfolios führen.

Die Entwicklung von sogenannten „Schwammstädten“, also der lokalen Sicherung und Speicherung von Regenwasser zur Schaffung einer nachhaltigen Kreislaufregenwasserwirtschaft in Städten, steht im Fokus der Nationalen Wasserstrategie und wird als Innovation im Tiefbau zukünftig zunehmend an Bedeutung erlangen. Einen interessanten Beitrag dazu finden Sie hier.

Sowohl wir als Tiefbaufachhändler als auch unsere Industriepartner:innen und Kund:innen sind maßgeblich an diesem Prozess zum Aus- und Aufbau einer funktionierenden Wasserversorgung und -entsorgung beteiligt und sehen uns daher in der Verantwortung, eine nachhaltige Wasserwirtschaft mit unseren Produkten zu unterstützen und zu fördern.

In Deutschland ist Trinkwasser sowohl in Quantität als auch Qualität derzeit noch ausreichend und gut vorhanden. Tun wir unser Bestes, damit dies auch so bleibt – gemeinsam für unsere Zukunft.